Schneider ECD EGA Monitor Elko Kur

  • ACHTUNG: Zunächst die übliche Warnung. Wer nicht genau weiß was er tut, spielt beim Arbeiten an offenen Röhrenbildschirmen mit seinem Leben. Im inneren herrscht neben der lebensgefährlichen Netzspannung zusätzlich noch mindestens ebenso gefährliche Hochspannung von mehreren tausend Volt. Diese Spannungen liegen selbst dann noch an, wenn das Gerät bereits seit längerer Zeit vom Netz getrennt ist. Also bitte nicht nachmachen, es sei denn ihr seid dafür ausgebildet worden.


    So, jetzt aber zum eingemachten:


    Nachdem ich seit einiger Zeit ja relativ erfolglos auf der Suche nach einem Reserve-EGA Schirm bin, musste ich mir was überlegen, meinen einzigen EGA Bildschirm, den zum Schneider PC 1640 gehörenden Monitor ECD möglichst lange gesund zu halten. Das Besondere an diesem Modell ist, dass es zusätzlich noch das Netzteil für den Schneider PC integriert. Der Schirm läuft zwar auch autark an einem beliebigen anderen Rechner, der Schneider PC ist jedoch auf diesen Schirm angewiesen. Entsprechend viel Netzteilelektronik ist auf dem Board des ECD zu finden. Viele viele große und kleine Elkos, die ja so gerne nach einigen Jahrzehnten dazu neigen entweder stillschweigend auszutrocknen und somit nur noch ansatzweise ihre Aufgaben zu erfüllen oder schlimmstenfalls sich sogar über den Leiterbahnen des Boards und der darauf befindlichen wertvollen Elektronik mit ätzender Substanz zu ergießen. Alles keine schönen Szenarien, welche mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Folgeschäden an anderen heute nicht mehr erhältlichen Bauteilen führen.


    Was liegt also näher, als zumindest mal alle diese Elektrolytkondensatoren gegen moderne fabrikfrische Elkos zu tauschen?


    Vor einiger Zeit hat unser lieber Röhrenpapst™ Darius genau dieses ebenfalls in seiner Sammlung befindliche Modell einer solchen Kur unterzogen, weshalb ich mir von ihm eine vollständige Warenkorbliste für den Reichelt Shop geben lassen konnte (Vielen Dank noch mal an dieser Stelle ;) ). Gesagt, bestellt und jetzt ging es endlich los mit der Elko Kur.


    Zunächst habe ich den Schirm einige Tage stromlos stehen lassen um zumindest schon mal einen Teil der elektrischen Ladungen zu verringern. Dann vorsichtig geöffnet und die Bildröhre fachmännisch-und-sicher™ :smiley_emoticons_frankenstein_lol entladen. Anschließend vorsichtig alle Verbindungen zwischen Röhre und Chassis sowie dem Board gelöst und das Board vorsichtig entnommen und direkt im Anschluss die hochvoltigen Elkos gegengemessen und ebenfalls sichergestellt, dass keine Ladungen mehr enthalten waren.



    So, nun konnte es losgehen mit dem munteren gelöte. Also die Entlötsaugpumpe und die Chinastation angeschmissen und Elko für Elko gezogen und mit dem fabrikneuen Gegenstück ersetzt. In den allermeisten Fällen ging das ganz Reibungslos und recht schnell von der Hand. Ich habe mich von den dicken zu den dünnen und kleinen vorgearbeitet.



    Bei Elko Nummer 33 (Es gibt insgesamt über 80) ist es schließlich passiert. Beim ziehen ist mir dummerweise ein ein Stück des Lötpads und des umliegenden Layers mit abgerissen. Schuld ist neben meinem eigenen Ungeschick vermutlich ein von Werk dort angebrachter Hotfix/Schnitt um diesen Layer dort von einem anderen Bereich zu trennen. Mein Fehler war es nun, vorher nicht genau genug darauf geachtet zu haben, ob diese Stelle nun mit dem nebenan liegenden Bereich verbunden war oder eben durch einen solchen Schnitt schon vorher getrennt gewesen ist. Die unscharfen Bilder, welche ich von vorher nur durch Zufall hatte, ließen zwar stark vermuten (Danke noch mal an Bernard, Toni, Roland, Stefan, Björn, u.a. welche mir hier zur Seite standen mit fachmännischem Rat und Begutachtung), dass diese Trennung eben vorher schon bestand und somit mein Mißgeschick keine Korrektur nötig machen würde, aber 100% Sicherheit konnte hier nur ein Zwischentest beim jetzigen Stand geben.



    Also bevor weitere potentielle Fehlerquellen dazu kommen könnten, heute Abend erst mal beim Stand von ca 40% getauschten Elkos, erst mal alles wieder zusammengebaut und den berühmten Smoke Test durchgeführt.



    Mensch, hatte ich bammel was kaputt gemacht zu haben, aber Gott sei Dank, lief alles einwandfrei und das einseitig abgerissene Pad hat keine Folgen.



    Ich werde jetzt den Schirm wieder zunächst ein paar Tage stehen lassen und dann noch vorsichtiger als bisher mit der Kur fortfahren.


    Ein EGA Schirm ist heute ja leider wirklich schwer zu bekommen und entsprechend sorgsam zu behandeln ;)


    Ich werde berichten... Drückt mir die Daumen.

  • Hervorragende Arbeit!


    Lob und Anerkennung für die Beachtung der Sicherheitsvorschriften.


    Du musst hier natürlich alle anderen Elkos und die auf der Röhrenplatine auch noch wechseln.


    Und auch nicht vergessen:


    Die dicken Custom ICs mit den schwarzen Kühlkörpern. Das sind entweder Netzteil Steuer ICs oder Wichtig für den Bildaufbau. Diese entlöten, Kühlkörper entfernen, sind zwei Schrauben, die A**bach Uralt Wärmeleitpaste mit Isoprop entfernen, neue Markenpaste drauf dünn aber flächig bestreichen, zusammenschrauben und am Ende bisschen festziehen und drauf aufs Brett.


    Die ICs werden es dir danken ;)

    :freak RetroComputerPoPe - Dr. (Ehrenhalber) Darius von Bernstein - Grünstein - Lötstein :freak


    * Bezwinger der EIZO ( ͡° ͜ʖ ͡° ) *


    Päpstlicher DOSianer mit mittlerweile jeder DOS-Architektur (XT/286/386/486/586/686...)
    Status: Don't mess with the RetroPoPe / Erweiterter Amateur mit der unoffiziellen Bräter-Lizenz *g*

  • Wirklich sehr beeindruckend!
    Ihr 2 seid nicht zufällig aus dem Raum Franken?
    Ich könnte mal einen Hausbesuch zwecks Elko Tausch in Röhren gebrauchen.
    Wirklich ernst gemeint. Das sind die einzigen Geräte an die ich nicht ran gehe, zwecks mangelder Ausbildung mit Hochspannung.

  • :atomrofl


    Kenne ich :D Detailfotos sind nie verkehrt, ... Abet Benny macht sich! Wird Zeit dass er sehr Bald einen neuen "Titel" bekommt.


    :super

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  • :-Darius Denn die Kapazität ist im Design *sollte* so eingeplant, dass etwas Verlust mit aufgefangen wird.


    Aber wenn Elkos zu Widerständen, Kurzschlüssen, Doppeldioden und Sperrdioden mutieren, hört der Spaß hier ganz schnell auf...


    Achja und die Spezialelkos die Inkontinent werden hatte ich vergessen :puke

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  • Elkos haben generell +/-20% Kapazitätstoleranz. Früher noch mehr (da war +70%/-40% oft angegeben).


    Deswegen muss es mit der Kapazität nicht soo genau passen. Die Spannung sollte man aber vom Original nur dann unterschreiten, wenn man sich mit der Schaltung ganz genau auskennt. Zum Beispiel sind die meisten Kondensatoren für die CPU Spannung 6,3V Typen. Da, vor Allem bei den neueren Mainboards, die Spannung selten über 2,8V liegt, reichen auch 4V Elkos. Sehe ich immer öffter auf moderen Platinen. Dort gibt es sogar 2,5V Elkos.


    In Schaltnetzteilen & Step down Wandlern spielt eh der ESR und die Strombelastbarkeit eine größere Rolle, als die Kapazität.

  • So, heute Abend alles wieder auseinander genommen, fachgerecht™️ entladen und gesichert und wieder ein paar Alt-Elkos produziert :D Nun vor jedem entlöten sicherheitshalber ein detailbild angefertigt und fragwürdige stellen auch mal mit dem durchgangspiepser gegengeklingelt. Zum schluss hat die konzentration nachgelassen, was ich durch einen verwechselten elko 10mf statt 1mf gemerkt habe (gut dass ich alles mehrmals kontrolliere). Also für heute fertig, aber über die hälfte habe ich nun durch :)


  • :-Darius Sind hier ja nicht bei Thr Big Bang Theory :D

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  • Gradezu päbstlich :D


    Sehr schön, weiter so :)

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