Modifikation Lindy IDE/SATA Host Bridge: UDMA33 -> UDMA66 +

  • Kurz zur Vorgeschichte:

    Ich bin ja schon länger und immer noch auf der Suche nach einer Lösung für mein Verkabelungsproblem bei meinem Infinite AMD (Slot A hier und hier und hier). Inzwischen weiß ich selber nicht mehr genau, welche Abstände die Stecker haben sollten. :S Nun hab ich an Ostern von Alpha Japan den schon lange gesuchten P7125 Kühlkörper für Athlon Slot A geschenkt bekommen:

    Geschenk von Alpha, Japan: P7125


    Einzige Bitte: Ein paar Bilder des fertigen Systems. :thumbup:


    Das Problem, das System fertig zu stellen, wird also langsam akut und der Kühler darf dann natürlich auch nicht durch tausend Kabel verdeckt sein. ***Backen aufblasen***

    Also hab ich endlich mal den Lindy IDE/SATA-Adapter getestet, der schon seit Weihnachten 2020 bei mir rum liegt. Da aber schon zum zweiten Mal eine Festplatte am Primary Slave meines GA-5AX mit Ausfallerscheinungen auf sich aufmerksam gemacht hat und ich mir nicht sicher bin, ob das Board einen Schlag hat oder das Netzteil Alterserscheinungen zeigt, hab ich mit dem Experiment an diesem Board angefangen.


    Bisher hierher lief die Sache ja ganz nett:

    Gigabyte GA-5AX (ALi Aladdin V) mit 2 Crucial BX500 (120 GB) an SATA-IDE-Adapter :)


    Aber dann kam das hier:

    Der Adapter simuliert wohl nur ein 40-adriges IDE-Kabel, obwohl er bis zur UDMA-7-Spezifikation kompatibel sein soll :(


    Michse sehr traurig:

    Die Bestätigung, daß der Teufel mal wieder im Detail steckt. Die Southbridge kann bis UDMA-4 (UDMA-66), was mit entsprechenden IDE-Festplatten und einem 80-adrigen IDE-Kabel auch funktioniert ;(


    Eigentlich sollte das Chippaar JMicron JMH330/JMH330S keine Probleme mit den schnelleren PATA-Modi haben. Also erst einmal den Support von Lindy kontaktiert, schließlich werben die auch mit UDMA 66 und höher:

    Zitat von Lindy-Support

    treten die BIOS-Fehler auch auf, wenn Sie normale SATA-HDDs (nicht SSD) verwenden? Bitte schließen Sie eine einzelne SATA-HDD (max 32GB) anstelle von 2 SSDs an.


    Bitte beachten Sie auch, dass der ALi Aladdin V/ALi M1543C B1 Chipsatz auf Festplatten mit einer Größe von 32GB beschränkt ist.

    https://www.amd-k6.com/platfor…rives%20up%20to%2032%20GB.

    https://www.anandtech.com/show/72/3


    Punkt 1 -> Ja. Hab ich gemacht, brachte aber nichts, allerdings war meine kleinste SATA-HDD 80 GB groß. Wer hat denn bitte schön schon eine 32 GB SATA-HDD? Gibt's so eine überhaupt?

    Punkt 2 -> Diese Aussage ist in Bezug auf die B1-Version der Southbridge schlicht falsch. Die verlinkten, uralten Artikel beziehen sich auf sehr frühe Versionen des Chipsatzes, weisen aber auch bereits auf die Möglichkeit eines BIOS-Updates zur Unterstützung größerer Platten hin, wie es Gigabyte veröffentlicht hat. Die Größe der Platten ist auch nicht das Problem, sondern der Übertragungsmodus. :bash Bisher wurde bei allen IDE-Platten, die es unterstützten und mit einem 80-adrigen IDE-Kabel angeschlossen waren, problemlos UDMA-66 aktiviert.

    Hab extra dazu geschrieben, daß ich Version B1 auf dem Board habe. Warum laufen denn bitte schön die ganzen IDE-Festplatten mit 80 GB auf dem Board? Gigabyte hat höchstselbst ein passendes BIOS dazu herausgebracht. Und was hat bitte schön die Größe mit dem Übertragungsmodus zu tun???


    Ich hab dem Support extra die Fehlermeldung des BIOS wortwörtlich mit in die Anfrage hinein geschrieben. Also eine glatte Themaverfehlung. :mist


    Laut Wikipedia muß bei einem 80-adrigen IDE-Kabel, das für die schnelleren UDMA-Modi zwingend notwendig ist, Pin 34 innerhalb des blauen Steckers (also auf Seite des Mainboards/Host-Controllers) auf Masse liegen, damit der Host-Controller das Kabel als 80-adrig erkennen und die schnelleren UDMA-Modi aktivieren kann. Des weiteren ist Pin 34 innerhalb des blauen Steckers mit keiner weiteren Ader verbunden. Der graue Stecker (Primary Slave) und der schwarze Stecker (Primary Master) sind normal mit Pin 34 verbunden.https://en.wikipedia.org/wiki/…TA#Parallel_ATA_interface


    Betrachtet man sich den Lindy-Adapter von unten, dann führt Pin 34 zu einer Stelle unterhalb des JMH330S, liegt also vermutlich eher nicht auf Masse, weshalb der Host-Controller von einem 40-adrigen Kabel ausgeht. Für Chipsätze wie den beliebten Intel i440BX wäre das auch ideal.
    Wünschenswert wäre daher ein Jumper, mit dem man Pin 34 wahlweise auf Masse legen oder mit der momentanen Schaltung verbinden könnte, um je nach Fähigkeiten des Host-Controllers ein 80- oder ein 40-adriges Kabel zu simulieren.


    Leider ging der Support in seiner zweiten Antwort nicht weiter auf meine Hinweise ein:

    Zitat von Lindy-Support

    leider hat der Chipsatzhersteller uns mitgeteilt, dass der im 51024 verwendete Chip einige Kompatibilitätsprobleme mit neueren SATA-Laufwerken hat. Insbesondere auf Basis sehr neuer SSDs.

    Das IDE-SATA 51024 ist ein sehr altes Produkt (von 2007) und der Chipsatz ist noch viel älter. Wir empfehlen die Verwendung älterer SATA-Festplatten (nicht größer als 160 GB)


    Wenn eine SATA-Festplatte angeschlossen ist, wird sie vom IDE-Host als MASTER gesehen, die zweite SATA-Festplatte wird dann als SLAVE konfiguriert.

    Änderungen mit Jumper-Einstellungen und neuerer Firmware sind derzeit nicht möglich.

    Noch so eine Themaverfehlung. :mist


    Also hab ich halt mal wieder den Doktor rausgekramt und eine kleine Operation durchgeführt. Wozu hat man schließlich ein Semester lang an Blättern, Pflanzenstielen, Nematoden, Seesternen, Würmern, Mäusen... herumgeschnippelt? :rolleyes:


    Hat etwas gedauert, bis ich dazu gekommen bin, weil ich vorher unbedingt noch ausprobieren wollte, ob DR-DOS auch von Partitionen booten kann, die nicht nach Zylindern, sondern an MiB-Grenzen ausgerichtet sind. Kurze Antwort: Ja, es geht, ist aber etwas tricky hinzubekommen und würde hier jetzt zu weit vom Thema wegführen.


    Also dann, auf an's Werk!

    Schwester, die Bewaffnung für das Auge, das Messer und die Pinzette bitte! ;)

    (Ein scharfes Skalpell wäre sicher besser geeignet als so ein altes, stumpfes Teppichmesser. Aber wichtig ist nur, was hinten raus kommt :P )


    Für den Bypaß kommt goldbeschichteter Silberdraht aus dem Bastelladen zum Einsatz, der noch vom Adventskranz übrig geblieben ist. Die Enden wurden kurz mit groben Schleifpapier bearbeitet für den Fall, daß da Lack drauf ist. Zur Isolierung ein kleines Stück Schrumpfschlauch.


    Dann ging's auch schon los:

    Zuerst wurde die Leitung, die vom Pin 34 zum JMH330S führt, gekappt, dann die Überbrückung von Pin 34 nach Pin 40 angelötet:


    Ergebnis:

    Der Controller bzw. das BIOS beschwerte sich schon mal nicht mehr über ein falsches Kabel:


    Der nächste Schirm zeigte, daß tatsächlich UDMA66 für beide SSDs aktiviert wurde:


    Aber bringt das auch was?

    Vor und nach dem Umbau hab ich ein paar Benchmarks gemacht. Windows98SE wurde dazu neu installiert. Die Partition war an MiB-Grenzen ausgerichtet, 118 GB groß und mit FAT32 formatiert. Allerdings verwende ich nicht die Standardformatierung von Microsoft mit 32 kiB Dateisystemclustern, weil ich die Platzverschwendung nicht mag, sondern formatiere mit 4 kiB-Clustern.

    Die Benchmarks nach dem Umbau wurden einmal mit dem MS IDE-Treiber durchgeführt und einmal mit dem ALi IDE-Treiber 3.56, da HD Tach 2.70 mit dem MS-Treiber immer wieder Bluescreens verursachte. Nach einem Tastendruck arbeitete das System dann weiter und der Benchmark lief durch (manchmal) oder auch nicht (Fifty-fifty Chance). Mit dem ALi-Treiber trat das nicht auf.



    ATTO Disk Benchmark 2.41


    vorher: UDMA33
    MS IDE-Treiber
    nachher: UDMA66
    MS IDE-Treiber

    ALi IDE-Treiber 3.56



    Roadkil's Disk Speed 2.0


    vorher: UDMA33
    MS IDE-Treiber
    nachher: UDMA66
    MS IDE-Treiber

    ALi IDE-Treiber 3.56



    HD Tach 2.70


    vorher: UDMA33
    MS IDE-Treiber
    nachher: UDMA66
    MS IDE-Treiber

    ALi IDE-Treiber 3.56


    Zusammenfassung: Kleiner Draht, große Wirkung?

    Ob der Lindy-Support Recht damit hat, daß die JMicron-Chips Probleme mit neueren SSDs haben, kann ich nicht sagen. Die verwendete Crucial BX500 ist/war jedenfalls nicht die schnellste SSD am Markt und besitzt keinen DRAM-Cache. Die Ursache für mein Problem des falschen Übertragungsmodus ist jedenfalls ein Designfehler im Lindy SATA-IDE-Adapter und keine Inkompatibilität zwischen den JMH330-Chips und den SSDs. Das wird Lindy aber vermutlich nicht zugeben wollen.


    Bringt der Umbau was?

    Mit drei Benchmarkprogrammen kann ich jedenfalls einen Geschwindigkeitszuwachs um knapp das Doppelte in manchen Szenarien messen. Aber wie heißt es so schön: Wer mißt, mißt Mist. Will heißen, beim berühmten "Wie lange braucht Windows beim Booten bis zum Desktop"-Benchmark :Face hab ich gefühlt keine Zeit gespart. Gemessen hab ich's aber nicht. Tests auf VIA MVP3 und AMD Irongate muß ich noch machen.


    Bleibt noch zu erwähnen, daß der Adapter schön kompakt ist und man dadurch, daß er direkt auf die Hauptplatine gesteckt wird, SATA-Kabel verwenden kann statt IDE-Flachbandkabel. Allerdings steht der Adapter senkrecht auf den meisten Hauptplatinen, was je nach Position des IDE-Anschlußes dazu führen kann, daß manche PCI-Slots für lange PCI-Karten (z. B. Voodoo2) blockiert werden. Hier müßte man dann den Anschluß des Adapters umbauen und um 90° anwinkeln. Aber selbst das ist bei manchen Hauptplatinen kein gangbarer Weg, da der Adapter je nach Ausrichtung des IDE-Anschlußes dann nach innen gerichtet sein kann.


    Wenn ihr das Teil verwenden wollt, plant also gut! 8)


    Ach ja: Vielleicht hab ich jetzt, da ich mit dem Adapter so weit fertig bin, auch eine Möglichkeit gefunden, mir ein geeignetes langes IDE-Kabel zu basteln. Stichwort AWG 30... :rolleyes:

    Ich werde mich von keinem einzzzigen Prozzzessor trennen.
    Jedoch lockt es mich beinahe, ihn Dir zu überlassen, nur um zu sehen, wie er Dich in den Wahnsinn treibt :evil:


    Meine Begehren

  • Lotosdrache

    Hat den Titel des Themas von „Modifikation Lindy IDE/SATA Host Bridge“ zu „Modifikation Lindy IDE/SATA Host Bridge: UDMA33 -> UDMA66 +“ geändert.
  • Sehr schöner Artikel!

    Ich denke in der realen Umgebung wirst du kaum Unterschiede feststellen. Denn Win98 wird kaum so viele Daten am Stück lesen und in den Speicher schreiben. Eher viele kleine Dateien und bis 4k ist die Geschwindigkeit ja fast gleich.

    Eventuell laden größere Spiele einen kleinen Ticken schneller. Zumindest langweilt sich die 40GB HDD in meinem PII-300 schon die meiste Zeit, da der CPU die meiste Zeit der limitierende Faktor ist...

  • Den Unterschied merkt man gewaltig :-)


    Funktioniert auch bestens mit CF Adaptern und SD 2 IDE Adaptern.


    Hier für UDMA5

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