IBM 720k Externes Floppylaufwerk 4865 - oder das Ende meines Lateins

  • So, wie versprochen gleich heute mal das dickste Problem das mir so als Stein am Herzen hängt.

    Ich hab für einen Bekannten immer mal einen Elko getauscht so dass er sich einzubilden begann ich hätte Ahnung. Also brachte er mir die folgenden Dinge vorbei und ich so, weil ich nun mal nich nein sagen kann: "Ich seh mal was ich tun kann..."
    P1000960.JPGP1000961.JPG


    Hübsche ziegelsteinförmige 3,5 Zoll-DD-Laufwerke von IBM, Modell 4865 mit einem Alps DFL413C02B innewendig.

    Das zweite von links funktioniert, die anderen drei sind platt. Freundlicherwise wurden mir auch passende Controllerkarten und ein IBM XT board geliefert auf dem ich das Ganze in eine Versuchsanordnung bringen konnte (was auch nicht ganz einfach war). Ergebnis nach erfolgreichem Aufbau: eins davon geht - die andern drei sind platt.

    Diagnose:
    Die Laufwerke werden offenbar irgendwie erkannt und bei Zugriffversuchen wie "dir" oder "chkdsk" auch angesprochen aber die Stellmotoren für die Köpfe sagen bei allen dreien keinen Pieps. Bei zweien dreht sich wenigstens der Plattenteller (also der Drehmotor für die Diskette) beim dritten macht der nur bei der Initialisierung ne kurze Drehung und ist dann stille.
    Nu fehlt mir professionelle Ausrüstung um irgendwelche Wellenmuster zu messen oder sowas. Was ich probiert hab um zu gucken ob bei den Stellmotoren überhaupt Strom ankommt, ist mein Multimeter ranhalten und gucken. Es gab tatsächlich einen bunten Reigen von Volts, so ziemlich zwischen 0 und 12. Aber nix Bewegung...
    An der Stelle dachte ich es wäre schön wenn es irgendwo Schaltpläne dafür gibt oder irgendeine Form von Dokumentation. Alles was es gibt ist ein Thread bei Vogons wie man sie kalibriert. Und einen anderen irgendwo der vom austausch eines Elkos spricht der bei meiem Laufwerk auf dem PCB gar nicht drauf war. Nich mal Minuszerodegrees hat was

    A propos PCB...
    P1000845.JPG

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    P1000844.JPG

    P1000840.JPG

    P1000841.JPG


    So sieht es auf den Dingern aus.
    Das hübsche ohne den ganzen Drähtesalat ist das aus dem das funktioniert...


    Leider fehlt mir der technische Sachverstand um zu begreifen was 3 Dioden machen, die mit zusammen mit einem Transistor verkleistert an einem IC hängen. Ich bin ja froh dass ich sie als Dioden identifizieren kann. Die oberen 3 Bilder sind vom oberen PCB, wenn man das Laufwerk noch weiter auseinandernimmt, ist unten drin noch eins.
    Ich gucke also - auf deutsch gesagt - wie die Sau ins Uhrwerk.

    Um die Dinger noch weiter auseinanderzunehmen so dass ich ggf. die throughhole caps tauschen kann traue ich mich nich so recht, weil es dann echt schwierig wird den Kram wieder zusammenzubauen, ebenso traue ich mich nicht zu versuchen so einen Stellmotor rauszuoperieren aus demselben Grund.

    Das ist so die Sackgasse in der ich momentan stecke. Hab vor kurzem alles wiederzusammengescharubt und in eine dunkle Ecke gestellt.


    Meine Fragen ist in Prinzip:

    Kennt einer die Dinger?
    Weiß jemand was über die?
    Irgendeine zündende Idee was ich noch probieren könnte?
    Ein "klar, schick rüber ich reparier die in 10 Minuten"?


    Ich bin jedenfalls ratlos. Finita.


    PS: Sorry für die nur halbscharfen Fotos. Meine Kamera und ich stehen auf Kriegsfuß. Vielleicht muss ich mal die Soße aus dem Kochthread in die Kamera träufeln.

    “My name is not spoken,” she replied, with a great deal of haughtiness. “More than a hundred years it has not gone upon men’s tongues, save for a blink. I am nameless, like the Folk of Peace. Catriona Drummond is the one I use.”

  • Hmm, Quertauschen der PCBs ist nicht drin, oder?

    das/der Back-up/Backup [ˈbɛkʔap] - Substantiv, Neutrum - oder Substantiv, Maskulin

    Gebrauch: EDV

    Grammatik: das/der Back-up, Genitiv: des Back-ups, Plural: die Back-ups

    Definition: Das hättest du besser vorher gemacht.

  • Hm, leider nicht, erstens sind die Stecker verschieden und 2. sind es 2 PCB's eins unten, eins oben (und ganz kleines. Und das untere da rauszupuhlen treibt mir den Angstschweiß auf die Stirne.

    “My name is not spoken,” she replied, with a great deal of haughtiness. “More than a hundred years it has not gone upon men’s tongues, save for a blink. I am nameless, like the Folk of Peace. Catriona Drummond is the one I use.”

  • Hmm, kein Oszi ...mit einem DB25, ein paar Z-Dioden und Widerständen müsste sich ein einfacher 5 Bit Logikanalyzer zusammenbasteln lassen... mal schauen ob der Neumerkel noch auf hat, dann werde ich da mal was basteln - könnte für die oszilloskopfernen Schichten ein kleines billiges Diagnosewerkzeug sein....

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    Definition: Das hättest du besser vorher gemacht.

  • Wildes Googlen liefert zumindest schon mal einen Blogbeitrag: https://www.robcraig.com/ibm-4865-external-floppy-drive/


    Man kann mal versuchen die Leute zu kontaktieren, die sich hier zu den Drives ausgetauscht haben: https://marc.info/?t=119016513100002&r=1&w=2


    IBM hatte zumindest mal Service Manuals dazu: https://www.ibm.com/common/ssi…97/ENUS186-050/index.html


    Ich glaube das Dokument 59X9945 ist da das relevante...? Respektive 6280111 und 6280112. Wenn man die irgendwie bekommen könnte...

  • Weitere Schritte: Ich würde mal schauen ob überall die richtige Power ankommt. Das Laufwerk wird ja +5V und vielleicht auch +12V benötigen. Da sitzt ein kleiner Hitachi Chip links auf dem PCB. Ein HA13421. Der ist laut Datenblatt ein Dual Bridge Driver, der zwei Motoren z.B. Floppies ansteuern kann (EDIT: scheint nur für einen Stepper zu reichen). Pinout sieht so aus:


    pasted-from-clipboard.png


    Auch da würde ich mal messen ob da beim intakten und kaputten irgendwas ankommt. Eventuell auch mal mit Oszi, wenn vorhanden. Ich habe null Ahnung von so Floppies und bin Elektronisch ein Amateur, aber vielleicht kann man dadurch eingrenzen wo das Ding stirbt.


    Des weiteren würde ich mal alle Komponenten durchmessen, die sich durchmessen lassen (in circuit): Widerstände, Dioden, ... Nicht alles mag total sinnvolle Werte geben, aber z.B. sollte keine Diode einen Kurzschluss liefern, und auch die Widerstände sollten alle mehr oder minder den korrekten Wert zeigen.

    root42 auf YouTube


    80486DX@33 MHz, 16 MiB RAM, Tseng ET4000 1 MiB, GUSar Lite & TNDY & SnarkBarker, PC MIDI Card + SC55 + MT-32, XT CF Lite, OSSC 1.6

    Einmal editiert, zuletzt von root_42 ()

  • Auch da würde ich mal messen ob da beim intakten und kaputten irgendwas ankommt. Eventuell auch mal mit Oszi, wenn vorhanden.

    Deshalb die Idee mit dem QND Logikanalyzer - sterbende Treiber hatten wir schonmal... Wolles Miniscribe

    das/der Back-up/Backup [ˈbɛkʔap] - Substantiv, Neutrum - oder Substantiv, Maskulin

    Gebrauch: EDV

    Grammatik: das/der Back-up, Genitiv: des Back-ups, Plural: die Back-ups

    Definition: Das hättest du besser vorher gemacht.

  • Original IBM Diskettenlaufwerke sind im Alter ganz schön zickig.... Ich kenne die Teile (sowohl in DD als auch in HD) aus diversen PS/2 Maschinen.


    Nur eine Hand voll konnte ich bisher wiederbeleben, unter ca. 50 defekten Exemplaren in den letzten 15 Jahren.


    Meine Erfahrungen:


    - Elkotausch hat bei keinem meiner defekten Laufwerke geholfen, auch wenn einige davon echt schlimm aussahen.


    - Reinigen bringt oft sehr viel! Vor allem die Kopfmechanik. Dabei aufpassen, die Köpfe nicht zu sehr zu belasten, da die sonst Ruckzuck ihre Spurlage verlieren.

    ( =Totalschaden ohne Oszi und Messdiskette.) Wichtig beim Reinigen sind nicht nur die Laufschienen sondern vor allem auch die kleine Motorspindel. Hier muss das ganze alte Fett akribisch weggeputzt und neues aufgetragen werden. Einfach nur frisches dazu schmieren hilft nix, das alte ist enorm klebrig und hält den kleinen Motor quasi fest.)


    - Auch Kontakte reinigen. Gerade die Cardedge Stecker haben ihre Tücken und leiden unter Korrosion, ähnlich wie bei ISA Steckkarten und deren Slots. Ebenso wie dort verhält es sich mit dem Gegenstück, also der Buchse am Kabel. Oxidiert es da drin, kann man sich blöd suchen nach dem Fehler. Denn man sieht ja da eigentlich nie rein. Wenn doch, sieht man meist nix oder es sieht gut aus und man denkt, da dran liegts nicht. Hier hilft Kontaktspray in Verbindung mit einem zurechtgefalteten Stück Schmirgelpapier (möglichst fein).


    Die Meisten der Laufwerke musste ich jedoch aufgeben. Um so glücklicher bin ich darüber, das man Standardlaufwerke auf PS/2 umbauen kann und es solche Sachen wie Gotek gibt.


    Da bei dir die Laufwerke ja als externe Lösung mit ISA Karten kommen, ist es ja nicht ganz so schlimm wie in einem Rechner wo man auf diese Laufwerke angewiesen wäre.

  • Guten Morgen

    Catriona


    Eine sehr interessante Aufgabenstellung, weil es auch sehr wenig Infos, dok der Bausteine gibt, keinerlei Rückinfo über den Hergang, inner Zustand der Leitungen usw.


    VORAB Ich versuche zwar immer so gut wie möglich einen korrekten Satzaufbau, Bezeichnungen, zu verwenden aber meistens kommt es vor, daß ich beim Schreiben immer 3- 4 Schritte weiterdenke und versuche dies dann wenn ich sowas bemerke, dies dann auch zu korrigieren, mit einfügen, löschen, auch verwende ich gerne sehr viele Abkürzungen oder Kurzbeschreibung, zusätzlich schreibe und dokumentierte ich gerne die Einzelschritte,, so daß spätet ggf dieses dann auch verifizierbar sind.


    Zurück zu der Aufgabenstellung

    Da kein Kreuzvergleich in Frage kommen kann, Differenzierung en der Revisionstände müssen, wir später direkt auf der PCB messen,


    Wir gehen davon mal aus, das die fehlerhaften mal funktioniert haben, Jumperbelegung, Anschluss Art gleich wie bei Fdd1


    Wird aber alles sehr aufwendig,


    Vorab Begriffsdenition festlegen Nummerierungen, Bezeichnungen,

    Vorschlag :

    Referenz Laufwerk ( das funktionierende Fdd1), Fdd2 eines der fehlerhaften


    Anschlusskabel (vom Computer zum Laufwerk) Ans1


    Pcb1, Pcb2, ( Selbiges Schema)


    Ans1 abziehen, ohmisch alle einzel Verbindungen nacheinander nachmessen, von jedem Pins zu Pin messen,

    Anschlusskabel, Pinbelegung dokumentieren,

    Selbiges Wiederholen mit Ans2, dabei auf Interne Schlüsse zwischen Gnd und den Daten Leitungen achten, ggf auch an Kabelknick , oder Druckstellen leichtes bewegen, dann die Messungen wiederholen,


    Zusammenbau Fdd1 mit Ans1


    Vcc ( Stromaufnahme separat) messen auf der Leiterplatine

    Anhand dem Bild (FDD mit HD) , Ranger85 ) stimmt dies, oder hast du noch andere Info,


    ( vermutlich wird kein Booten funktionieren, sondern wir testen nur als externe Datensysten) Laufwerks


    Hochbooten, PC Dos, Einstellungen Auto oder Config. Sys notieren, dokumentieren

    DD Diskette (Ddd1) einlegen,

    Ddd1 ( kein Dateisystem) Schreibschutz aktivieren,

    Zugriff LEDs, Stepper, Head bewegung in diesem Moment beachten, dokumentieren, versuchen Diskette zu formatieren, wenn Schreibschutz funktioniert, kommt es zur Meldung, dann dieses deaktivieren.

    Nun sollte Format funktionieren, FAT12 erstellen 720k, ggf Funktionsprüfung kopieren von Autoexec und config auf Diskette

    Dateninhalte mit Type anschauen, überprüfen,


    Selbiger Ablauf dann mit Fdd1 und Ans2, ( Ddd1, Ddd2 verwenden


    Dann Fdd2 mit Ans2, Vcc messen Spannung, ggf auch Stromaufnahme), dokumentieren


    Dann Versuch Format durchzuführen) auf Zugriff LEDs, Stepper Bewegung achten



    Screenshot_20210821_091354.jpg

  • Wow, vielen Dank erstmal für die ganzen Antworten!!

    Da sind tatsächlich eine ganze Menge Dinge dabei die ich mich noch mal näher ansehen kann. Ich melde mich noch mal ausführlich mit was ich vor- und was ich gemacht habe, wenn ich in der Lage bin die Dinger wieder ohne erhöhten Pulsschlag anzugucken. Momentan ersaufe ich sowieso gerade in der Lektoratsarbeit.

    “My name is not spoken,” she replied, with a great deal of haughtiness. “More than a hundred years it has not gone upon men’s tongues, save for a blink. I am nameless, like the Folk of Peace. Catriona Drummond is the one I use.”

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